Die erste und ultimative Gewissheit: Das offene Geheimnis der Existenz

von | Nov 1, 2020

Es gibt eine philosophische Gewissheit, die nicht bezweifelbar ist und den Grundstein existenzieller Vernunft legt. Diese Erkenntnis ist gleichermaßen fundamental und banal, und sie ist eine Wahrheit, an der man sich immer orientieren kann:

Etwas existiert.

Kein vernünftiges Wesen kann diesen Satz bestreiten. Etwas muss sein. X ist der Fall. Dass etwas existiert, ist das A und O der Philosophie. Dieser Satz ist mit Notwendigkeit wahr. Wenn auch alles sonst ungewiss sein mag, etwas muss existieren. Selbst wenn die Realität ein Traum oder eine Simulation ist, ist sie doch erstens als Simulation existent, und zudem muss dann jemand oder etwas existieren, das die Realität simuliert. X ist. Und egal was X ist, wir wissen, dass es ist. Irgendetwas muss sein, denn sonst könnte niemand feststellen, dass etwas existiert? Klingt das nach einer banalen Erkenntnis?

Im Grunde genommen ist es eine Reformulierung der Erkenntnis von Descartes: „Ich denke, also bin ich“ und einer der philosophischen Grundsätze der Neuzeit. Damit ist er von höchster Bedeutung. Wenn wir davon aus ausgehen, dass etwas bzw. X existiert, dann haben wir den Boden geschaffen für einen wissenschaftlichen Erkenntnisprozess, der den Gesetzen der Logik folgt. Zugleich weisen wir damit einen Nihilismus als Ignoranz positiver Existenz klar von uns.

Die Konsequenz: Ich existiere

Denn wenn X ist, und der Satz, dass X ist, wahr ist, dann folgt daraus nicht nur dass X ist, sondern auch, dass es Wesen gibt, die stichhaltige Aussagen über die Realität formulieren können. Aussagen, die mit Notwendigkeit und logisch zwingend wahr sind. Es gibt folglich nicht bloß das reine Sein, sondern es gibt etwas, dass sich bewusst ist, dass X ist. Damit gibt es so etwas wie Geist oder Bewusstheit. Aus dem Satz dass X ist, folgt also, dass auch etwas ist, das weiß, dass X ist.

Wenn X ist und jemand das weiß, dann ist sozusagen die fundamentale Struktur der Realität beschrieben, die sich damit in Subjekt und Objekt aufspaltet. In dem Augenblick, in dem ich feststelle, dass X der Fall ist und ich derjenige bin, der das feststellt, habe ich die Realität aus dem bewusstlosen Schlummer in ein waches Sein gehoben, aber gleichzeitig das Atom der Existenz in Subjekt und Objekt gespalten und damit sozusagen enorme logische Energien freigesetzt.

Logische Grundsätze existieren

Denn wenn wir die Realität in dieser Form logisch spalten, folgt daraus, dass auch Identität und Differenz existieren, sonst wäre die Formulierung eines wahren Satzes gar nicht möglich. Es gilt also: X=X. Und wenn wir uns zum Beispiel fragen, was denn X genau ist, dann begreifen wir uns als getrennt von X und sind damit von X different. Gleichzeitig sind wir selbstverständlich identisch mit oder Teil von ihm, weil außerhalb der Existenz per definitionem nichts existieren kann.

Es ist die Basis für ein rationales Argumentieren und Aufstellen von wahren Behauptungen geschaffen. Wenn wir feststellen, dass dieser Satz notwendig wahr ist, und sein Gegenteil falsch, dann haben wir das Sein nicht nur in Subjekt und Objekt gespalten, sondern zusätzlich noch in Wahrheit/Erkenntnis und Falschheit/Irrtum.

Dann erkennen wir dadurch noch eine Art logischer (nichtzeitlicher) Prozess-Struktur: Erst ist X, dann wird X von einem Y (das zugleich ein Teil von X ist) als X erkannt. Zuerst muss etwas sein, bevor etwas etwas als etwas erkennen kann. Das Schöne ist: es ist egal, was Etwas ist, nur dass Etwas ist, reicht für diesen Schluss.

Die Komplexität des Daseins

X ist Existenz. Durch die Erkenntnis der Wahrheit des Seins beginnen wir Existenz zu denken. Wenn wir Existenz denken, denken wir in Subjekt und Objekt, in Selbst und Welt. Da auch Gedanken Teil der existenten Welt sind, denken wir in einem Meta-Prozess auch über diese nach. Je mehr Elemente ins Spiel kommen, desto komplexer und unübersichtlicher und streitbarer wird der Erkenntnisprozess.

Dieser Blog stellt sich zur Aufgabe nicht nur die reine Soheit der Existenz zu reflektieren, sondern vor allem, was sie im Einzelnen ist, wer wir wirklich sind, und wie unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Es geht darum, was die Existenz ist und wie sie ist: auf all ihren Ebenen, in all ihren Zuständen, Strukturen und Prozessen. Es ist klar, dass diese Aufgabenstellung unerschöpflich ist.

Ich möchte dazu beitragen, dass sich der philosophische und allgemein der akademische Diskurs wieder mit der breiten Gesellschaft rückverbindet und somit konstruktiv an einer Weiterentwicklung des menschlichen Daseins mitarbeiten. Dafür möchte ich nicht nur theoretisieren, sondern persönliche Entwicklungen teilen, aktuelle Herausforderungen darstellen und mentale Hilfen zu ihrer Überwindung anbieten.

Revival des Existenzialismus

Die Existenz könnte man als Basis und kleinsten gemeinsamen Nenner jeglichen Dialogs bezeichnen, weil sie logisch zwingend anzunehmen ist. In diesem Sinne bin ich Existenzialist – was für mich ethische Implikationen mit sich führt. Die Rückbesinnung auf das eigene tatsächliche Existieren ist, entgegen dem Versenktsein in die verschiedenen Modi des Alltags und des Arbeitens, ein hartes Faktum und eine wache Unerbittlichkeit und daher eine Verantwortung, der man im Grunde nicht entgehen kann. Insofern ist dieser Blog für mich ein Versuch, der Verantwortung des bewussten Existierens gerecht zu werden.

Dazu möchte ich gerne alle einladen, sich an diesem Blog konstruktiv zu beteiligen. Menschen, die diese oder eine ähnliche Vision einer existenziellen Vernunft teilen, können über diese Plattform gerne veröffentlichen. Wichtig ist mir dabei insbesondere die Eigenständigkeit und Originalität des Denkens. Es geht nicht darum, alle Antworten auf die Fragen des Existierens bereit zu haben, sondern um die philosophische Bereitschaft, einen echten Dialog einzugehen.